Stadtkapelle geht jetzt neue Wege


Frühjahrskonzert bot allerlei „Unerhörtes" und Uraufführung
(aus dem Landsberger Tagblatt vom 21.04.2005)

Landsberg (riem).
Das Frühjahrskonzert der Stadtkapelle wird noch im Nachhinein für manchen Diskussionsstoff sorgen, denn sie bewegte sich diesmal nicht auf den ausgetretenen Pfaden traditioneller Blasmusik. Mit modernen, selten gehörten Stücken erschließen sich die Musiker neues Gelände und eroberten das Publikum im Sturm.

Das lag nicht zuletzt an der überaus sympathischen Präsentation. Gut gelaunt und spielfreudig zeigten sich die Akteure heimatverbunden und weltgewandt zugleich. Dirigent Fabian Schmidt führte als launiger Moderator durch das Programm und sorgte dafür, dass die musikalische Botschaft auch richtig ankam. Alexander Bräuer begrüßte die Gäste und brachte herzlichen Dank bei allen an, die diese Veranstaltung und die Stadtkapelle in ihren Aktionen unterstützt haben.

Zwar gehören J. P. Sousa, R. Nelson, J. de Meij, Sir Malcolm Arnold und J. Barnes zum Olymp der sinfonischen Blasmusik, doch meist sind sie nur Insidern ein Begriff, waren vergriffen oder sind nur selten in Deutschland gespielt worden. Hörenswert sind sie allemal, vor allem wenn ihre Musik so ausgezeichnet aufgeführt wird. Wie sich zeigte, hat Schmidt seine Crew völlig im Griff. Er gestaltete sein Dirigat engagiert und präzise, schmissig und mitreißend. Bei der Musikauswahl hatte er ein empfindsames Händchen und spannte den Bogen vom Marsch bis hin zur feinen Fantasie. Dabei kamen Solisten und Orchestergruppen ebenso zur Geltung wie der vielfarbige Orchesterklang, der einerseits voluminös und gewaltig, andererseits filigran und akzentuiert wahrgenommen wurde.

Musikalische Leckerbissen

Ein musikalisch gewohnter Auftakt gelang mit dem Marsch Castaldo von Rudolf Novacek. Doch schon beim zweiten Stück äußerst ungewohnte Töne. Einer der führenden britischen Komponisten Sir Malcolm Arnold, schrieb 1956 die "Grand Grand Ouverture" für die Konzerte von Gerard Hoffnung, den bekannten Humoristen in Sachen Musik; daher auch die Besetzung von drei Staubsaugern und einem Bodenpolierer (ersetzt durch zusätzlichen Staubsauger) als Soloinstrumente, sowie einem Gewehr. Die Musik ist manchmal lyrisch-pathetisch, wobei die "Putzkolonne" eine Note der Wehmut beitragt, manchmal rhythmisch-beschwingt und eine Parodie auf manche "E-Musik". Das Publikum belohnte die humoreske Einlage mit anhaltendem Applaus.

"Promenade" von David Stanhope beruhigte die Gemüter wieder, bevor die Suite "Aquarium" das Durch- und Miteinander tropischer Fische darstellt, die alle ihr eigenes Musikmotiv haben: Neonfisch, Zitteraal, Segelflosser, Seepferdchen, Schmetterlingsfisch und Guppys. Alle Tiere schwimmen durcheinander und bilden schließlich ein harmonisches Finale. Für außergewöhnliche Stücke ist auch Ron Nelson bekannt. Die Landsberger Stadtkapelle spielte "Resonances" von dem in USA geschätzten Komponisten.

Glanzpunkte und Highlights

In unüblicher Besetzung ging es nach der Pause weiter. Mit je vier Trompeten und Posaunen, Horn und Tuba wurde mit "Londonderry Air" neuer Sound geboten. Posaunist Daniel Schmidt glänzte dabei mit einem Solo. In voller Besetzung hörte das Publikum anschließend im "Easter Monday on White House lawn" Eier rollen. Die Stücke von John Philip Sousa waren lange nicht erhältlich. Ganz neuer Stil auch bei "A Sorcery Suite", 1999 von James Barnes nach Motiven aus "Harry Potter und der Stein der Weisen" komponiert.

Nach so viel "moderner" Musik folgte Traditionelles und für Oberbürgermeister Ingo Lehmann "nach so viel Superlativen das absolute Highlight", das er sich bei künftigen Konzerten öfter zu hören wünscht: "Gruß an Landsberg", eine Uraufführung. Die Suche in den archiven hat sich gelohnt. Professor Franz Xaver Denkscherz, in Landsberg Lehrer für Französisch/Englisch und Orchesterleiter, komponierte 1949 eigens für die Stadtkapelle dieses frische, wohlintonierte Musikwerk. Vielleicht gibt es ein Wiederhören bei den kommenden Serenaden.

25 Jahre bei der Stadtkapelle: Gertrud und Gottfried Sparrer wurden von Alexander Bräuer (rechts) für ihre Treue geehrt.